Was passiert, wenn Patienten die KI nach einem Zahnarzt fragen
Am 3. Oktober 2026 haben wir ChatGPT die Frage eines neuen Patienten gestellt, „Kannst du mir einen guten Zahnarzt in meiner Stadt empfehlen?“, fünfmal hintereinander, dazu Gemini dreimal und den Google KI-Modus einmal. Das Ergebnis:
- ChatGPT nannte in fünf Antworten zwölf verschiedene Praxen. Nur drei kamen in mindestens drei von fünf Antworten vor. Die übrigen tauchten ein- oder zweimal auf.
- Gemini und der KI-Modus nannten zum Teil andere Praxen. Über alle Systeme hinweg kamen für eine einzige Frage in einer Stadt 25 verschiedene Praxisnamen zusammen.
- Fast jede ChatGPT-Antwort enthielt Praxiskarten mit Sternen und Bewertungsanzahl, also das, was der Patient zuerst sieht.
Für Sie als Praxisinhaber heißt das: Ein Screenshot, auf dem ChatGPT Ihre Praxis „empfiehlt“, oder eben nicht –, beweist wenig. Aussagekräftig ist, in wie vielen von mehreren Antworten Sie genannt werden, auf jedem System, das Ihre Patienten nutzen. Genau so messen wir: „in 2 von 5 Antworten genannt“, mit Datum.
In den USA sagen bereits 36 % der Patienten auf Arztsuche, dass KI ihre Wahl beeinflusst hat, mehr als Google (laut Anbieter rater8, Juni 2026, USA). Für Deutschland, Österreich und die Schweiz gibt es solche Zahlen noch nicht; die Richtung ist dieselbe.
Die Sprache der Frage ändert die Praxisliste
Dieselbe Frage haben wir in Österreich auch auf Englisch gestellt („English-speaking dentist in Vienna“). ChatGPT nannte wieder zwölf Praxen in fünf Antworten, aber von allen 21 Praxen aus beiden Sprachen kamen nur 3 in beiden Listen vor.
Auffällig: Auf die englische Frage wurden vor allem Praxen genannt, die ihre Sprachen ausdrücklich nennen, auf der Website und im Google-Profil, teils sogar mit englischem Profilnamen. Wer internationale Patienten, Expats oder Touristen behandelt, sollte die Sprachen im Team deshalb überall angeben: im Google-Profil, auf Jameda oder Doctolib und auf der eigenen Website, im Text und nicht nur als Flaggen-Symbol.
Was die KI über Ihre Praxis weiß, und was nicht
Leistungen wie Implantologie, Prophylaxe oder Kieferorthopädie kennt die KI meist. Bei Preisen sieht es anders aus: Eine Untersuchung des Anbieters Courtyard bewertete das Preisverständnis von KI-Antworten über Zahnarztpraxen mit 0,04 von 1, das Leistungsverständnis mit 0,83 (laut Anbieter Courtyard, Juli 2026, USA und Kanada). In unseren Messungen in Kontinentaleuropa nannte nur 1 von 72 allgemeinen Antworten überhaupt einen Preis.
Interessanter wird es, wenn Patienten nach einer bestimmten Praxis fragen. Für eine Praxis, hier „Praxis A“, haben wir ChatGPT, Gemini, den KI-Modus und Perplexity nach Adresse, Öffnungszeiten und Kassen gefragt:
| Angabe | Was die Systeme sagten |
|---|---|
| Bewertung | ChatGPT: exakt Sterne und Anzahl aus dem Google-Profil |
| Adresse | Drei unterschiedliche Hausnummern-Varianten derselben Straße |
| Öffnungszeiten | Ein System ergänzte Samstagsöffnung, die anderen nicht |
| Kasse oder privat | Perplexity: „Privatpraxis“. Google KI-Modus: nennt Kassenverträge. Beides zugleich kann nicht stimmen. |
Gerade der Kassenstatus entscheidet, ob ein Patient überhaupt anruft. Ursache solcher Widersprüche ist fast immer, dass die eigenen Quellen der Praxis, Website, Google-Profil, Verzeichnisse, Buchungssystem, nicht dasselbe sagen. Die KI wählt dann eine Version.
In der Schweiz zeigte sich die Preislücke deutlich: Eine Praxis veröffentlicht keine Preise. ChatGPT und Perplexity sagten das korrekt. Der Google KI-Modus dagegen nannte Franken-Beträge, übernommen von den Websites anderer Praxen, aber als Preise dieser Praxis dargestellt.
Google-Unternehmensprofil: die Karte in der KI-Antwort
Für fünf Zahnarztpraxen haben wir die Karten in ChatGPT mit Google Maps verglichen: Sterne und Anzahl der Bewertungen stimmten in allen fünf Fällen exakt. Wo wir Jameda-Werte fanden, passten sie nicht. In sieben europäischen Ländern trug keine von 307 ChatGPT-Karten ein fremdes Logo. Anders als in den USA, wo ChatGPT oft Yelp-Werte zeigt, ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz also das Google-Profil die Visitenkarte Ihrer Praxis in der KI.
Was im Profil stimmen muss:
- Hauptkategorie „Zahnarzt“, passende Zusatzkategorien (z. B. Kieferorthopäde nur, wenn zutreffend)
- Adresse und Telefonnummer exakt wie im Impressum; eine Nummer, keine wechselnden Weiterleitungen
- Öffnungszeiten inklusive Feiertage, identisch mit Website und Buchungssystem
- Leistungen, Sprachen, Barrierefreiheit, Hinweis „alle Kassen“ oder „privat“ in der Beschreibung
- Regelmäßig neue, echte Bewertungen, und sachliche Antworten darauf
Die Details stehen im Ratgeber Google-Unternehmensprofil und KI.
Verzeichnisse in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Neben dem Google-Profil sucht ChatGPT gezielt nach Bewertungsportalen, die Suchanfragen im Hintergrund lauten etwa „Zahnarzt [Stadt] Bewertungen Praxis 2026“. Diese Quellen haben wir in den Antworten gesehen:
| Land | Zitiert oder gesucht |
|---|---|
| Deutschland | Jameda, Doctolib (als zitierte Quellen, nicht als Bewertung auf der Karte) |
| Österreich | Herold, DocFinder, Seite der Zahnärztekammer, Praxis-Websites |
| Schweiz | cityhero.ch (in 5 von 5 ChatGPT-Antworten zitiert), local.ch (in 5 von 5 gesucht), OneDoc im KI-Modus, Vergleichsportale |
Für jede Praxis gilt: In den zwei bis fünf Verzeichnissen, die in Ihrem Land zitiert werden, sollten Name, Adresse, Telefon, Öffnungszeiten und Leistungen mit dem Google-Profil übereinstimmen. Ein Eintrag in hundert beliebigen Verzeichnissen bringt wenig.
Ein Detail aus der Schweiz: ChatGPT lieferte dort sehr stabile Antworten, sieben Praxen insgesamt, nach drei Durchläufen kam keine neue mehr hinzu. Wer in so einem Markt nicht im Kern der Liste ist, wird auch beim fünften Nachfragen nicht genannt.
Die Praxis-Website als Faktenquelle
Webdesign für Zahnärzte wird oft an Bildern und Farben gemessen. Für die KI zählt etwas anderes: ob die Fakten im Text stehen, lesbar ohne Skripte und ohne Klick auf ein Buchungs-Widget. Was auf eine gute Praxis-Website gehört:
- Eine Seite pro Schwerpunkt (Implantate, Prophylaxe, Angstpatienten, Kinderzahnheilkunde) mit Ablauf und sachlichen Kosteninformationen
- Kassenstatus klar formuliert: „alle Kassen“, „Privatpraxis“ oder genau welche Verträge
- Behandler mit Qualifikationen und gesprochenen Sprachen
- Öffnungszeiten, Notdienst-Hinweis, Anfahrt, identisch mit dem Google-Profil
- Saubere maschinenlesbare Praxisdaten (strukturierte Daten), kein Trick, sondern eine korrekte Visitenkarte
Sonderformate wie „llms.txt“ oder spezielles „KI-Schema“ helfen nach den Daten, die wir kennen, nicht. Google selbst schreibt, dass Optimierung für KI-Suche weiterhin SEO ist (Google Search Central, Mai 2026). Mehr dazu unter GEO vs. SEO.
Praxismarketing im Rahmen des HWG
Zahnärztliche Werbung unterliegt in Deutschland dem Heilmittelwerbegesetz und dem Berufsrecht; in Österreich und der Schweiz gelten eigene Standesregeln. Für KI-Sichtbarkeit ist das kein Hindernis, im Gegenteil: KI zitiert sachliche Fakten, keine Werbesprüche. Unsere Grundsätze:
- Keine Heilversprechen und keine Garantien für Behandlungserfolge auf Seiten, die wir schreiben.
- Keine irreführenden Superlative wie „bester Zahnarzt Wiens“.
- Bewertungen nur echt: keine gekauften, keine gefilterten, keine Gegenleistung für gute Sterne.
- Antworten auf Bewertungen ohne Patientendaten: nicht bestätigen, dass jemand Patient ist, keine Behandlungsdetails nennen, die Schweigepflicht gilt auch online.
Das ist keine Rechtsberatung. Wo Formulierungen heikel sind, stimmen wir sie mit Ihnen ab, die Freigabe liegt immer bei Ihnen.
Was wir für Zahnarztpraxen tun
- Messen: die Fragen Ihrer Patienten, auf Deutsch und, falls relevant, auf Englisch, mehrfach in ChatGPT, Gemini und Google KI-Modus. Plus eine Frage nach Ihrer Praxis selbst, abgeglichen mit Website und Google-Profil.
- Quellen korrigieren: Google-, Bing- und Apple-Profil, Jameda, Doctolib bzw. Herold, DocFinder, local.ch, überall dieselben Angaben.
- Seiten schreiben: eine klare Seite pro Schwerpunkt mit Kassenstatus, Sprachen, Ablauf und sachlicher Kosteninformation.
- Gleich weitermessen: jeden Monat dieselben Fragen, neben Ihren wichtigsten Mitbewerbern.
Preise netto zzgl. USt.: kostenloser KI-Check, Tiefen-Analyse ab 890 €, Umsetzung 2.400–3.200 € für eine Praxis mit wenigen Schwerpunkten, laufende Betreuung ab 590 €/Monat, reine Messung (Monitor) ab 149 €/Monat. Monatlich kündbar, keine Mindestlaufzeit, alle Zugänge auf Ihren Namen. Alle Preise · So arbeiten wir
Häufige Fragen
Wie wird meine Zahnarztpraxis von ChatGPT empfohlen?
Über die Quellen, aus denen ChatGPT seine Antworten baut: ein vollständiges Google-Unternehmensprofil, einheitliche Einträge bei Jameda, Doctolib und den Verzeichnissen Ihres Landes, echte Bewertungen und eine Website, auf der Leistungen, Kassenstatus, Sprachen und Preisrahmen im Text stehen. Garantieren kann das niemand, messen kann man es mit mehreren Durchläufen.
Was ist der Unterschied zwischen SEO für Zahnärzte und KI-Sichtbarkeit?
Die Arbeit überschneidet sich zum größten Teil: Profil, Bewertungen, Verzeichnisse, klare Leistungsseiten. Anders ist die Messung, dieselbe Patientenfrage mehrfach in ChatGPT, Gemini und Google KI-Modus statt einer Position bei Google, und der Fokus auf Fakten, die die KI sonst falsch oder gar nicht wiedergibt: Preise, Kasse oder privat, Sprachen, Öffnungszeiten.
Woher hat ChatGPT die Bewertung meiner Praxis?
In unseren Prüfungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigte die Praxiskarte in ChatGPT genau Bewertung und Anzahl aus dem Google-Unternehmensprofil. Jameda und Doctolib tauchten als zitierte Quellen auf, aber nicht als Bewertung auf der Karte.
Warum nennt ChatGPT jedes Mal andere Zahnärzte?
KI-Antworten schwanken. In Österreich nannte ChatGPT in fünf Antworten auf dieselbe Frage zwölf verschiedene Praxen, nur drei davon in mindestens drei Antworten. Ein einzelner Screenshot sagt daher wenig, entscheidend ist, in wie vielen von mehreren Antworten Ihre Praxis vorkommt.
Darf eine Zahnarztpraxis Preise veröffentlichen?
Sachliche Informationen über Leistungen und Kosten sind grundsätzlich möglich; Heilversprechen und irreführende Vergleiche nicht. Wie Sie Preisrahmen konkret formulieren, klären Sie im Zweifel mit Ihrer Kammer oder einem Anwalt, wir geben keine Rechtsberatung. Fehlt jede Angabe, füllt die KI die Lücke mit Zahlen anderer Praxen.
Lohnt sich das für eine Praxis mit vollem Terminkalender?
Auch volle Praxen wollen die richtigen Patienten: Privatpatienten, Implantologie, Angstpatienten, englischsprachige Patienten. Für genau diese Fragen stellt die KI eigene Listen zusammen. Und falsche Angaben, etwa „nur privat“ statt „alle Kassen“, kosten auch volle Praxen Vertrauen.
